Die Räuber sind los!

„Wo, ist hier ein Schatz zu holen?“ klang es in diesen Tagen, kaum dass man die Räumlichkeiten des integrativen Kindergarten St. Wolfgang betrat. Grund dafür, ein fünfwöchiges Theaterprojekt. Geplant und gestaltet in Zusammenarbeit des Teams unter der Leitung von Anne Rottengruber, den Kindern und der Theaterpädagogin Ina Kindler-Popp.

Rund 75 Kinder – mit und ohne Behinderung – haben sich auf das Theaterprojekt „Die drei Räuber“ inspiriert durch das Bilderbuch von Tomi Ungerer eingelassen. Diese wunderbare Geschichte der Wandlung „der grimmigen Räuber, die der Schrecken der ganzen Umgebung sind“, hin „zu Beschützern von armen Waisenkindern“, galt es, im gemeinsamen, kreativen Tun zu entdecken und umzusetzen.

Auf kindlicher Ebene begegnete zunächst Teddy Eddi, den 3-6jährigen Kindern und erklärt spielerisch das Theaterleben. Zunächst stellt er die Geschichte im Bilderbuch-Kino vor und sprang dabei selbst in die verschiedensten Rollen. Er agierte als furchtloser Räuber, mimte den ahnungslosen Reisenden und natürlich auch Tiffany, das Waisenkind. Danach half er, die Geschichte mit einfachsten Mitteln zum Leben zu erwecken.

Alle Funktionsräume des Kindergartens, der nach dem offenen Konzept arbeitet, wurden Teil des Projektes. Im Bauzimmer entstand eine Räuberhöhle mit Räuberwald und Schatzkammer. In der Turnhalle konnte man sich einem Räubertraining unterziehen, um für den bevorstehenden Kutschenüberfall gewappnet zu sein. Das Atelier bot Raum dafür, Schätze und Waffen unterschiedlichster Art anzufertigen. Außerdem bekam jedes Kind die Möglichkeit sich als Räuber schminken und verkleiden zu lassen und einen Räubersteckbrief anzufertigen.

Täglich fand in der Einrichtung ein 30-minütiges musikalisches Angebot statt. Innerhalb der Projektzeit, schmettern die Räuber ein mittelalterliches Räuberlied in Moll, dass final vom Klang selbstgebauter Trommeln umrahmt wurde.

Bereits während dem Räubertraining entwickeln die Kinder eigene Ideen zur Inszenierung des Kutschenüberfalles. Während im Buch die Reisenden ohne viel Federlesens ausgeraubt werden, entschieden die Kinder des ersten Ensembles. „Bei uns soll die reisende Königsfamilie von zwei Feen begleitet werden und diese verzaubern die Räuber in Kokosnüsse, Kürbisse und Räuberfrösche“. Durch die traurigen Blicke der Räuberfrösche berührt, sorgen die Feen bei der anschließenden Rückverwandlung für etwas Milde in den Herzen der grimmigen Räuber. Eine wunderbare Adaption entstand.

Die Kinder, die das zweite Ensembles bildeten, entschieden per Abstimmung, dass der König jemand ist, der unbedingt verhandeln muss. Dies war gar nicht so einfach, nachdem 14 Kinder Räuber sein wollten und die anderen Rollen spärlich besetzt waren. So wurde nach längerem hin- und her Verhandeln mit „König Ludwig“, der Schatz zwischen Räubern und Beraubten aufgeteilt, sodass schlussendlich Räuber und Königsfamilie, gemeinsam Marshmallows am Lagerfeuer rösteten. Zwei wunderbare Adaptionen, die jeweils gefilmt wurden entstanden. Das Filmmaterial wurde den Kindern im extra eingerichteten „Minikino“ zum Anschauen und Vertiefen angeboten.

Das Projekt war ein so großer Erfolg, dass bereits über eine Wiederaufnahme nachgedacht wird. Ein großer Dank geht an den Elternbeirat der durch seine großzügige finanzielle Unterstützung, das Projekt begleitet unter fachlicher Leitung einer Theaterpädagogin ermöglicht hat.